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[Gans_Neu] Corona - Schrecken ohne Ende?
(zu alt für eine Antwort)
Andy Angerer
2020-03-20 13:21:07 UTC
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Frau Dr. Sorge (heißt wirklich so) schreibt hochinteressantes:


[Gans_Neu] Corona - Schrecken ohne Ende?
Gänse-Newsletter Nr. 222 vom 18. März 2020

Liebe Vogelfreunde,
niemand wird überrascht sein: Bis zunächst 19.4. finden keine
Gänseführungen und Wanderungen mehr statt. Anders als viele
Bildungsträger und Institutionen bitte ich aber nicht um Verständnis für
diese Maßnahme - ich will aber sehen, ob ich im Folgenden etwas zum
Verständnis beitragen kann.
In diesem "Wir bitten um Verständnis" offenbart sich einiges von dem,
was in diesem Staat falsch läuft. Tatsächlich sollten wir in Bayern
unserem Ministerpräsidenten die Füße küssen, daß er rigorose Maßnahmen
beschlossen hat, um uns alle zu schützen - endlich!
Denn: Die wichtigste Phase der Epidemie in Deutschland liegt in den 2
Wochen hinter uns. Richtig gelesen: hinter uns.
Vor uns liegen die schwersten Wochen - eine Zeit, in der wir Abstand zu
anderen - unbedingt - einhalten müssen und uns selbst disziplinieren,
weil es nun keine andere Möglichkeit mehr gibt. Schon in den nächsten 3
Wochen wird sich auf die eine oder andere Weise entscheiden, wie es
weitergehen wird. Ich werde diese düsteren Worte und den Zeitrahmen im
folgenden erläutern.

Um es ganz klar zu sagen: Die Situation ist außer Kontrolle.
In den nächsten 3 Wochen müssen wir in Deutschland darum kämpfen, die
Kontrolle zurück zu erlangen. Wie gut und wie schnell uns das gelingt,
wird darüber entscheiden, wieviele Tote wir am Ende zu beerdigen haben.
Dabei kann man der Politik aktuell keinen Vorwurf machen. Die Politiker
haben immer zügig umgesetzt, wozu die Experten geraten haben - man kann
nur hoffen, daß alle anderen Bundesländer dem Beispiel Bayerns rasch
folgen. Denn leider waren und sind die Empfehlungen der beratenden
Experten viel zu "zurückhaltend".

Was ist passiert in den letzten 2 Wochen?
Ehrlich gesagt, ist das die spannendste Frage, die im Moment niemand
beantworten kann. Denn eines muß man sich vor Augen halten: Die
Fallzahlen, die vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht werden,
reflektieren das Infektionsgeschehen, das vor etwa 10-14 Tagen
stattgefunden hat.
Bei den meisten Infizierten dauert es 6-7 Tage, bis die ersten Symptome
auftreten, dann oft noch 1-3 Tage, bis die Betroffenen zum Arzt gehen
(weil die Symptome immer schlimmer werden) und nochmal bis zu 3 Tage,
bis die Ergebnisse des Test vorliegen. Dann können noch ein paar Tage
vergehen, bis die Daten an das RKI gemeldet werden und als Fallzahlen in
der Statistik auftauchen.
Wir wissen heute (18. März) also in etwa, wieviele Infizierte wir
Mitte/Ende der ersten Märzwoche hatten; laut aktueller Veröffentlichung
des RKI also bis zu 8.000.

Von heute an 2 Wochen in dieser Sache zurückzudenken, ist gar nicht so
leicht, denn es kommt einem wie 2 Monate vor, aber ich erinnere mich
trotzdem noch genau. Es war die Woche nach Ende der bayerischen
Frühjahrsferien, als viele Urlauber aus Italien zurückkehrten. Mir war
zu diesem Zeitpunkt klar, daß sich nun ein gefährlicher Virus, über den
wir wenig wissen und den wir nicht behandeln können, unkontrolliert
mindestens über Bayern ausbreitet. Es stand damals die Diskussion im
Raum, internationale Messen bzw. Veranstaltungen mit mehr als Tausend
Teilnehmern abzusagen (was dann am 8. März auch empfohlen wurde).
Ich habe am 5. März von meiner Seite die Teilnahme an den Bayerischen
Ornithologentagen, die vom 6.-8. März in Regensburg stattfanden,
abgesagt. Ich wollte per Poster die Brutsituation der Münchner
Nonnengänse präsentieren - das Poster reiste ohne mich dorthin,
Ornithologenfreunde haben es mitgenommen (Vielen Dank nochmal!).

Wie prekär die Lage tatsächlich ist, war aber auch mir nicht bewußt,
schließlich bin ich (das wissen die wenigsten von Euch) Mikrobiologe -
und nicht Epidemiologe. Aufgrund von Statistiken anderer Länder könnte
jeder Infizierte in den vergangenen 2 Wochen 2-3 weitere Personen
angesteckt haben; und auch von diesen Neuinfizierten könnte jeder schon
wieder mindestens eine weitere Person angesteckt haben, so daß derzeit
möglicherweise neben den 8.000 nachgewiesenen Coronafällen in häuslicher
Quarantäne und in Krankenhäusern weitere 50.000 unerkannte Infizierte
unterwegs sind.

Übertriebene Spekulation?
Von den Chinesen kennen wir aufgrund von Befragungen der Betroffenen zum
Auftreten der ersten Symptome sehr gut den tatsächlichen Verlauf des
Infektionsgeschehens. Am Tag bevor die Chinesen die Stadt Wuhan
abgeriegelt (und zwei Tage bevor die gesamte Provinz Hubei mit 60
Millionen Einwohnern geschlossen) wurde, waren den Chinesen 444 Fälle
mit dem neuartigen Coronavirus bekannt. Retrospektiv zeigte sich dann
aber, daß es in Wahrheit an diesem Tag bereits 12.500 Fälle waren, also
27 mal so viele wie bekannt waren.
Überträgt man diese Daten auf Deutschland, könnten wir momentan bereits
über 200.000 Infizierte haben.

Nicht zu vergessen: In China wurde die betroffene Provinz Hubei am 4.
Tag nach Beginn des Anstiegs der Krankheitsfälle großflächig unter
Quarantäne gestellt, als es nicht einmal Tausend bestätigte Fälle gab.
Überträgt man dies auf Deutschland - knapp Tausend bekannte Fälle -,
hätten die Maßnahmen (oder noch restriktivere), die ab heute bayernweit
gelten, bereits bundesweit am 8. März in Kraft treten müssen. Geht man
von dem erkennbaren Anstieg der Fälle aus, hätte es sogar schon am 2.
März passieren müssen. Diesbezüglich sind wir den Chinesen also
mindestens 10-14 Tage hinterher.

Und trotz der schnellen und rigorosen Maßnahmen hatten die Chinesen über
80.000 Krankheitsfälle und über 3.000 Tote. Es besteht aber noch
Hoffnung, daß es bei uns so nicht kommt. Wieviele Infektionsfälle sich
tatsächlich in den letzten 2 Wochen, die wir einer wirksamen
Pandemiebekämpfung hinterherhinken, angehäuft haben, werden wir
erfahren: innerhalb der nächsten 2 Wochen. Das können wir jetzt nicht
mehr beeinflussen. Wir können jetzt nur noch verhindern, daß in den
nächsten 2 Wochen noch mehr und mehr Menschen infiziert werden.

Wäre es überhaupt denkbar, daß derzeit zig-Tausende oder gar
Hunderttausende Corona-Infizierte in Deutschland herumlaufen und
"übersehen" werden?
Dem Robert-Koch-Institut liegen für 5.122 der nachgewiesene Fälle
klinische Informationen vor (Stand Situationsbericht vom 17.3., 11:00
Uhr). Davon hatten oder haben 56% Husten, 40% Fieber und 28% Schnupfen.
Ferner klagten einzelne Patienten über Kopf-, Rücken-, Muskel- und
Gelenkschmerzen, Appetit- und Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen,
Erbrechen, Durchfall, Bindehautentzündung, Hautausschlag,
Lymphknotenschwellung, Apathie und Somnolenz (schwere Benommenheit).

Also ich sehe in dieser Liste nichts, woran man eine Corona-Infektion
erkennen wollte, insbesondere zur Erkältungszeit, wo von allen Seiten
gehustet und geschnupft wird. Selbst das viel bemühte Fieber tritt nicht
einmal bei der Hälfte der Fälle auf. Zählt man Husten und Schnupfen
zusammen (so als hätten Betroffene entweder nur das eine oder nur das
andere), kommt man immer noch nur auf 84% - etliche müssen also
irgendwelche anderen der unspezifischen Symptome haben.
Um einen milden Verlauf einer Infektion mit SARS-CoV-2 (die offizielle
Bezeichnung des Virus) von einer Erkältung oder in mittelschweren Fällen
von einer Influenza zu unterscheiden, braucht man den Virus-Test.

Vielleicht noch ein Wort über die vielen jüngeren Mitbürger, die der
Meinung sind, aufgrund ihres Alters fein raus zu sein und von dem
neuartigen Virus nichts zu befürchten zu haben: Die 80% der mild
verlaufenden COVID-19-Fälle (die Bezeichnung für die Krankheit), die in
den Statistiken kursieren, schließen alle Fälle ein, die mit mehr oder
weniger schweren Erkältungs- oder Grippesymptomen zuhause auskuriert
werden können. Die übrigen 20% sind so schwer erkrankt, daß sie nur im
Krankenhaus versorgt werden können. 10% (also die Hälfte der
Krankenhaus-Fälle) muß intensivmedizinisch versorgt werden,
durchschnittlich 1% muß intubiert und beatmet werden.
Nur 5% der verifizierten Fälle zeigen - Zitat - "keine für COVID-19
bedeutsamen Symptome". Was immer das heißt, denn ich könnte wie gesagt
in der obigen Liste keine Symptome oder Symptomkomplexe ausmachen,
anhand derer sich COVID-19 diagnostizieren lassen könnte. Also ob sie
nun überhaupt keine Symptome haben oder nochmal andere, sei mal
dahingestellt.

Ist uns Italien drei Wochen voraus?
Eigentlich nicht. Der erste nachgewiesene Coronafall in Italien trat
laut den Daten der WHO am 31. Januar auf - in Deutschland war der erste
Fall drei Tage früher am 28. Januar. Am 23. Februar verließen dann die
Infektionszahlen für Italien den Bereich der Einzelfallberichte (132
Neuinfektionen an einem Tag) - in Deutschland deutete sich das am 28.
Februar an; spätestens am 2. März (93 Neuinfektionen an einem Tag).
Seitdem steigen in beiden Ländern die COVID-19-Fallzahlen exponentiell
an. Die Entwicklung lief also mehr oder minder parallel.

Der Unterschied ist, daß in Italien die Fallzahlen sehr viel schneller
ansteigen. Das zeigt, daß wir in Deutschland - zumindest anfangs -
einiges richtig gemacht haben. Der Fehler war dann aber - meiner Meinung
nach - zu spät zu begreifen, daß die Situation in Italien außer
Kontrolle geraten war und Heimkehrer - aus allen betroffenen Regionen
der Welt - so lange im Lande frei herumlaufen und andere anstecken zu
lassen, bis sie sich selbst bei einem Arzt oder dem Gesundheitsamt
gemeldet haben. Erst restropektiv wurden dann Kontaktpersonen ermittelt
und unter Quarantäne gestellt, anstatt von vorn herein für jeden
Einreisenden häusliche Quarantäne anzuordnen.

Wie wichtig das gewesen wäre, zeigt das Beispiel von Sachsen-Anhalt, das
am längsten coronafrei geblieben war. Erst am 10. März gab es hier die
ersten nachgewiesenen Coronafälle, nämlich in drei (räumlich)
voneinander unabhängigen Landkreisen bzw. Städten. In allen drei
Regionen handelte es sich um Heimkehrer, und zwar aus Südtirol, Tirol
und Israel. Schon 2! Tage später ordnete der Hallenser Oberbürgermeister
mit 9 Fällen und teils nicht mehr nachvollziehbaren Infektionsketten die
Schließung der Schulen an - ich kann mir gut denken, welcher Professor
ihn dabei beraten hat.

Wie geht es nun weiter?
Wenn es uns gelingt, deutschlandweit die Infektionsketten zu
unterbrechen, also ab sofort keiner mehr einen anderen ansteckt, werden
in 10-14 Tagen die Neufälle merklich zurückgehen und der Virus stirbt in
etwa 3 Wochen in Deutschland wieder aus. Allerdings natürlich nur
solange, bis er von außen wieder eingeschleppt wird.

Zu Hause bleiben?
Dieser Spruch entspringt der Vorstellung, daß man seine Freizeit nur in
Bars, Clubs, Vereinen oder im Fitneßstudio verbringen kann. Für die Art
der Freizeitgestaltung, wie sie von der Mehrheit der Newsletterempfänger
praktiziert wird - raus in die Natur oder in den Park - ist das nicht
zutreffend. Bewegung an der frischen Luft stärkt das Immunsystem,
verringert die Ansteckungswahrscheinlichkeit - auch im Falle von Corona
- und ist überhaupt gesund. Glücklich ist, wer den Ort seiner Wahl zu
Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen kann - oder im Zweifelsfall mit dem
Auto. Beim öffentlichen Verkehr sollte man, wenn immer es geht, die
Stoßzeiten vermeiden, um auch hier mindestens 2 Meter Abstand einhalten
zu können.

Auch draußen müssen wir die Regeln beachten, denn diese Spaziergänge und
Unternehmungen sollten allein oder nur mit Familienmitgliedern erfolgen.
Zu anderen Personen im Park gilt es Abstand zu halten, insbesondere
sollte man ein Schild vor dem geistigen Auge haben, daß einem im Falle
einer Begegnung mit Freunden auch im Affekt der Freude davon abhält,
sich die Hand zu geben oder schlimmeres. Zwei Meter Abstand ist deshalb
wichtig, weil beim Husten, beim Lachen und unter Umständen auch beim
Sprechen Viren bis zu 2 Meter weit in die Luft geschleudert, und dann
von anderen eingeatmet werden können. Szenen von Fotografen, die
Schulter an Schulter dasselbe Motiv avisieren oder auch "Darf ich mal
durch Ihr Spektiv schauen?" - Nein, dürfen Sie nicht, all das ist zu
unterlassen in nächster Zeit.
Beruflich allerdings, besonders für alle die in geschlossen Räumen
arbeiten, gilt, daß zuhause bleiben sollte, wer immer von zuhause
arbeiten oder frei nehmen kann.

Hätten die Schulen früher geschlossen werden müssen?
Meiner Meinung nach Nein. Der Unterschied zwischen Schule und einer
Großveranstaltung ist der, daß in der Schule immer derselbe
Personenkreis zusammenkommt. Gefährlicher als die immer selben Kontakte
in der Schule sind die außerschulischen Kontakte - und die erhöhe ich ja
nun mit der Schließung der Kinderbetreuungseinrichtungen, insbesondere
wenn Eltern alternative Betreuungsstrategien entwickeln, anstatt die
Kinder im familiären Rahmen selbst zu betreuen, wie es aktuell gefordert
ist.
In Italien wurden die Schulen und Universitäten am 4. März - also vor
genau 2 Wochen - geschlossen. Gebracht hat es (bisher) nichts, die Zahl
der täglichen Corona-Neuinfektionen steigt dort weiterhin an.

Desinfektionsmittel?
Sind erforderlich, wenn man mit einem Infizierten zusammen lebt oder
sich an Orten mit gefährlichen Krankheitskeimen befindet, wie in
Krankenhäusern. Darüber hinaus sollte das Desinfizieren der Hände oder
anderer Hautstellen aber grundsätzlich unterbleiben - es kann sogar
kontraproduktiv sein, da die positiv wirkenden Bakterien, die auf
unserer Haut leben und mithelfen, uns vor anderen Keimen zu schützen,
dabei schneller abgetötet werden als viele der gefährlichen Erreger.
Gründliches Händewaschen genügt und ist wirkungsvoll (an diesen Vorgang
sind unsere positiven Begleiter nämlich längst angepaßt -
Krankheitserreger im Regelfall aber nicht).
Auch bei Oberflächen, z.B. in der Küche oder solche, die häufig berührt
werden, ist eine Desinfektion nicht erforderlich. Feuchtes Abwischen mit
haushaltsüblichen Putzmittel wie Tenside, sprich einfaches
Geschirrspülmittel, beschädigt die Oberfläche von SARS-CoV-2-Viren und
inaktiviert sie damit (Coronaviren sind RNA-Stränge, die von einer
proteinhaltigen Lipidmembran umgeben sind). Erhitzen auf 70°C hat
denselben Effekt.

Ich habe Euch eine gute Aufstellung von Handlungstipps angefügt, wie man
Infektionen vermeiden kann. Nicht beleidigen lassen von der Formulierung
'in leichter Sprache' - etwas kompakteres und zugleich umfassenderes
habe ich nicht gefunden.

Was würde passieren, wenn wir jetzt nichts tun? Oder wenn wir versagen?
Geht man von den möglicherweise 200.000 Infizierten aus, die wir aktuell
schon haben könnten, dann dauert es bei der aktuellen Zunahme der
Coronafälle - nämlich eine Verdopplung der Fälle alle drei Tage, was
heißt, daß sich auch die Zahl der Infizierten mindestens alle drei Tage
verdoppelt - genau noch 3 Wochen (seit gestern), bis ein
epidemiologischer Knickpunkt (so heißt das nicht, ich nenn es jetzt bloß
so) eintritt, bei der die Zahl der Neuinfektionen von allein zurückgehen
wird. Dann würden 70% der Deutschen infiziert sein, und mit steigender
Zahl der wieder Gesundeten würde es dem Virus immer schwerer fallen,
noch Opfer zu finden, die nicht immun sind. Ähnlich wie bei den
Impfkampagnen würden diese 70% die übrigen 30% mehr oder weniger
schützen - das Problem löst sich quasi von allein.

Aber: In Ländern, aus denen die Coronapandemie immerhin so weit unter
Kontrolle ist, daß die Fallzahlen stagnieren oder nur sehr langsam
ansteigen, wissen wir, daß die Todesrate für COVID-19 bei 0,9% der
Erkrankten liegt. Bei einer Durchseuchungsrate der Deutschen von 70% mit
dem Virus hätten wir bei diesem Szenario 500.000 Todesfälle.
Nur gehören wir derzeit nicht mehr zu diesen Ländern, wir gehören zu den
Ländern, die die Lage keineswegs unter Kontrolle haben, wo die
Fallzahlen exponentiell ansteigen. Hier liegt die Sterberate bei 3,9%
oder darüber - in Italien liegt sie momentan sogar bei 8%. Das überlasse
ich wem mag, die Todeszahlen für diese Fälle zu berechnen.

Übrigens ist - ich weiß nicht, ob das auf den Pressekonferenzen jedem so
klar wird - die Strategie des RKI, eine geordnete Durchseuchung von 70%
der Bevölkerung mit dem SARS-CoV-2, um die oben beschriebene Immunität
zu erreichen. Geordnet bedeutet, daß die Krankheitsfälle nicht innerhalb
der nächsten 3 Wochen sondern im Laufe von Monaten bis idealerweise
innerhalb der nächsten 2 Jahre auftreten. Eine Wiederausrottung, so
heißt es angeblich in der Epidemiologie, ist im Falle einer Pandemie
nicht möglich - ganz klar ginge das nur, wenn sich die gesamte Welt
gleichzeitig unter strenge Quarantäne stellen würde. Daher strebt man
eine geordnete Durchseuchung an, um sozusagen eine gesellschaftliche
Immunität zu erreichen, bei der dann auch die Zuwanderung des Virus aus
anderen Regionen der Welt keine Rolle mehr spielt (eine regionale
Ausrottung des Virus ohne diese gesellschaftliche Immunität würde
langanhaltende Einschränkungen der Reisefreiheit erfordern). Diese
Vorgehensweise kostet aber ihre Opfer - siehe oben. Ich weiß nicht, ob
das RKI darauf hofft, daß wir in Deutschland mit den Möglichkeiten
unseres Gesundheitssystem unter der 0,9% Sterberate bleiben, oder ob sie
uns diesem Schicksal ergeben. Idealerweise würde man die Immunität über
Impfungen erreichen - bis uns aber diese Möglichkeit zur Verfügung
steht, müßten wir uns sehr lange - möglicherweise ein Jahr lang - über
Wasser halten.

Doch spricht niemand über Kollateralschäden - was ist mit all den
Herzinfarkten, Hirnschlägen, Unfallopfern, Blinddarmdurchbrüchen und was
auch immer, die wie in jedem Regulärbetrieb auch während einer
Coronakrise in Krankenhäuser eingeliefert werden und dort nicht nur um
Intensivstationen, sondern auch um das Pflegepersonal konkurrieren?
Was ist mit den - Zitat - "nicht notwendigen Operationen", die derzeit
nicht durchgeführt werden sollen, um nicht unnötig Intensivbetten zu
belegen? Ich hoffe doch, daß nicht notwendige Operationen überhaupt
nicht durchgeführt werden. Und die - in besserer Formulierung -
planbaren Operationen: Welche Operationen sollen das sein, die
intensivmedizinische Nachsorgung erfordern, aber Aufschub erlauben? Mir
fallen bei diesen Formulierungen nur Krebspatienten, Transplantationen
und ähnliches ein. Was ich sagen will: Ich sehe unser Gesundheitssystem
so kurz auf knapp, daß mir nicht klar ist, wie man Kapazitäten für
Coronapatienten frei halten will, ohne dies auf Kosten von Gesundheit
und Leben anderer Patienten zu tun. Werden - und wenn ja, wo - solche
Opfer auch erfaßt, die es in Italien mit Sicherheit schon gibt?

Schrecken ohne Ende - dem ich allerdings dem Ende mit Schrecken doch den
Vorzug gebe.

Die Daten, Angaben und Hypothesen - teils abgewandelt - in diesem
Newsletter stammen zum Nachlesen bzw. Nachschauen aus folgenden Quellen:
https://perspective-daily.de/article/1181/2hWA1mB8
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html
https://experience.arcgis.com/experience/685d0ace521648f8a5beeeee1b9125cd
https://www.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

Mit all diesem müßten wir uns nicht beschäftigen - und auch das sollten
wir nicht vergessen - wenn die Chinesen nicht alles was irgendwo auf
diesem Globus läuft, fliegt, schwimmt, krabbelt, hüpft, schlängelt oder
kriecht von überall her zu Millionen Exemplaren einkaufen und auf
Wildtiermärkten lebendig als Nahrungsmittel oder (in Teilen) als
Rohstoffe für die traditionelle chinesische Medizin verkaufen würde.
Dieses Vorgehen hat nicht nur zu den früheren SARS-Ausbrüchen geführt,
es treibt auch ganze Arten und Artengruppen in die Ausrottung, darunter
Schildkröten, Schuppentiere, Nashörner oder Haie; und auch die letzten
Baijis (Chinesische Flußdelphine) könnten nicht an Einsamkeit gestorben,
sondern gegessen worden sein. Wir sollten und müssen als globale
Gemeinschaft darauf bestehen und auf die Chinesen Druck ausüben, daß
dieser Wildtierhandel verboten wird - im Interesse unserer Gesundheit
und der Artenvielfalt des Planeten!

<https://www.regenwald.org/petitionen/1211/wildtiermaerkte-muessen-geschlossen-werden>

Im nächsten Gänse-Newsletter wird es dann endlich wieder um Gänse gehen,
denn es gibt auch dort einiges zu berichten.

Bis dahin uns allen viel Glück, bleibt gesund und haltet Abstand!
Eure Silke Sorge
--
Schauen Sie doch mal rein: www.gaensewelt.de
Andy Angerer
2020-03-20 13:35:53 UTC
Permalink
Tatsächlich sollten wir in Bayern unserem Ministerpräsidenten die Füße küssen,
Das werd ich nicht tun; vielleicht ist er ja infektiös.
--
**** Die andere Site ****
(mit den anderen Links)
www.angerer-bodenlos.de
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